Panikattacken: Symptome, Ursachen und akute Hilfe
- Daniela Irma Ivo

- 6. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Juni
Was ist eine Panikattacke?
In meiner psychologischen Praxis in Linz begegne ich sehr häufig Menschen, die durch Panikattacken und akute Angstreaktionen schwer belastet sind.
Panikattacken sind plötzlich auftretende, intensive Angstzustände, die oft ohne reale Gefahr entstehen. Sie erreichen innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt und klingen danach wieder ab. Für Betroffene wirken sie häufig bedrohlich, obwohl sie medizinisch in der Regel nicht gefährlich sind.
Panikattacken treten häufig im Zusammenhang mit akuten Angstzuständen auf, können aber auch durch Stress begünstigt werden.
„Panik ist keine Gefahr, sondern eine Fehlalarmreaktion des körpereigenen Alarmsystems.“
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Wie entstehen Panikattacken im Körper?
Die Entstehung von Panikattacken lässt sich über das körpereigene Stress- und Alarmsystem erklären. Eine zentrale Rolle spielt die Amygdala im Gehirn, die ständig überprüft, ob eine Gefahr besteht. Wird eine harmlose Situation fälschlicherweise als bedrohlich eingestuft, wird eine Stressreaktion ausgelöst.
Der Körper schaltet in den sogenannten „Fight-or-Flight“-Modus. Das autonome Nervensystem wird aktiviert, insbesondere der Sympathikus. Stresshormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet, wodurch Herzschlag, Atmung und Aufmerksamkeit stark ansteigen.
Diese Reaktion ist grundsätzlich sinnvoll bei realer Gefahr. Bei einer Panikattacke wird sie jedoch ohne äußere Bedrohung ausgelöst.
Warum hilft die richtige Atmung bei Panikattacken?
Ein wichtiger physiologischer Faktor ist die Atmung.
Durch schnelle, flache Atmung (Hyperventilation) sinkt der Kohlendioxidgehalt (CO₂) im Blut. Der Sauerstoffgehalt bleibt dabei in der Regel normal. Der CO₂-Abfall kann körperliche Symptome wie Schwindel, Kribbeln oder Benommenheit verstärken.
Deswegen hilft nur kurz einatmen und ganz lange Ausatmen dabei die Panikattacken abzuschwächen. Auch Atmen in eine Tüte kann helfen.
Symptome von Panikattacken
Typische Symptome sind starkes Herzklopfen, Herzrasen, Atemnot, Engegefühl in der Brust sowie Zittern und Schwitzen. Viele Betroffene berichten zusätzlich von Schwindel oder einem Gefühl der Instabilität.
Auf psychischer Ebene treten häufig intensive Angst, Kontrollverlustgefühle oder Todesangst auf. Manche erleben zudem ein Gefühl der Unwirklichkeit oder Entfremdung.
Diese Symptome sind Ausdruck einer normalen Stressreaktion, nicht einer körperlichen Zerstörung.
„Die Stärke der Angst sagt nichts über die tatsächliche Gefahr aus.“
Der Angstkreislauf bei Panikattacken
Ein zentrales Problem bei Panikattacken ist der sich selbst verstärkende Angstkreislauf. Ein körperliches Signal wie Herzklopfen wird als gefährlich interpretiert.
Diese Bewertung führt zu Angst, die wiederum den Körper weiter aktiviert. Dadurch verstärken sich die Symptome erneut.
Entscheidend ist dabei nicht das körperliche Signal selbst, sondern die Bedeutung, die ihm gegeben wird.
„Angst entsteht nicht durch den Körper, sondern durch die Interpretation des Körpers.“
Akute Hilfe bei Panikattacken
In der akuten Situation ist das wichtigste Ziel, den Angstkreislauf zu unterbrechen. Dabei geht es nicht darum, die Angst sofort zu stoppen, sondern dem Körper zu ermöglichen, sich wieder zu regulieren.
Hilfreich ist zunächst eine bewusste Einordnung der Situation. Allein das Benennen als Panikattacke kann bereits entlastend wirken.
Ein stabilisierender Gedanke lautet: „Das ist eine Panikattacke. Sie ist sehr unangenehm, aber nicht gefährlich und geht wieder vorbei.“
Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die bereits erwähnte Atemregulation. Besonders hilfreich ist eine Verlangsamung der Atmung mit verlängerter Ausatmung. Dadurch stabilisiert sich das vegetative Nervensystem. Wichtig ist dabei, nicht zu forcieren, sondern den natürlichen Atemrhythmus zu beruhigen.
Ebenso hilfreich ist es, die Aufmerksamkeit bewusst nach außen zu richten. Das Wahrnehmen der Umgebung, das Spüren der Füße auf dem Boden oder leichte Bewegung können helfen, aus der inneren Angstspirale auszusteigen.
Wichtig ist außerdem, typische Verstärker der Angst zu vermeiden, etwa ständiges Kontrollieren von Körperfunktionen oder gedankliches Katastrophisieren.
Ursachen von Panikattacken
Die Ursachen sind meist multifaktoriell. Häufig spielen chronischer Stress, genetische Veranlagung und belastende Lebensereignisse eine Rolle. Auch eine erhöhte Körperaufmerksamkeit kann dazu führen, dass harmlose Signale als bedrohlich interpretiert werden.
Ein zentraler Mechanismus ist die „Angst vor der Angst“. Die Erwartung einer Panikattacke erhöht die innere Anspannung und kann dadurch neue Attacken begünstigen.
Psychologische Hilfe und langfristiger Umgang
Psychologische Beratung kann bei wiederkehrenden Panikattacken sehr wirksam sein. Ziel ist es, die Bewertung körperlicher Symptome zu verändern und den Angstkreislauf langfristig zu durchbrechen.
Ein zentraler Grundsatz lautet:
„Nicht die körperliche Reaktion ist das Problem, sondern die Bedeutung, die ihr gegeben wird.“
In der psychologischen Beratung lernen Betroffene, körperliche Aktivierung als normalen Stressprozess zu verstehen und nicht als Gefahr zu interpretieren.
Fazit
Panikattacken sind intensive, aber ungefährliche Fehlreaktionen des Stresssystems. Sie entstehen durch das Zusammenspiel von körperlicher Aktivierung und kognitiver Bewertung. Entscheidend für die Aufrechterhaltung ist nicht die körperliche Reaktion selbst, sondern die Interpretation dieser Reaktion.
Mit Wissen über die körperlichen Prozesse, akuten Strategien und psychologischer Unterstützung lassen sich Panikattacken sehr gut behandeln und langfristig deutlich reduzieren.
5 wirksame Übungen gegen Panikattacken
1. 5-4-3-2-1 Grounding-Technik (Soforthilfe bei akuter Panik)
Diese Übung hilft, die Aufmerksamkeit aus der Angstspirale zurück in die Gegenwart zu holen.
So geht es:Schau dich bewusst um und benenne langsam:
5 Dinge, die du sehen kannst
4 Dinge, die du körperlich spürst (z. B. Kleidung, Boden, Stuhl)
3 Dinge, die du hörst
2 Dinge, die du riechst
1 Ding, das du schmeckst oder dir vorstellst zu schmecken
Wichtig ist nicht Perfektion, sondern das bewusste Umlenken der Aufmerksamkeit nach außen. Dadurch wird die innere Angstfokussierung unterbrochen.
2. Atemberuhigung mit verlängerter Ausatmung
Diese Technik wirkt direkt auf das vegetative Nervensystem.
So geht es: Atme ruhig durch die Nase ein, etwa 4 Sekunden lang.Atme dann langsam und entspannt 6–8 Sekunden aus.
Wiederhole diesen Rhythmus für mehrere Minuten.
Wichtig:Nicht tief oder „extra viel“ atmen, sondern ruhig und gleichmäßig. Ziel ist eine natürliche Beruhigung der Atmung, nicht Kontrolle oder Leistung.
Diese Technik hilft, den CO₂-Spiegel im Blut wieder zu stabilisieren und das Stresssystem zu beruhigen.
3. Bodenkontakt- und Stabilitätsübung
Diese Übung gibt dem Körper ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität.
So geht es:Stelle beide Füße fest auf den Boden. Drücke sie leicht in den Untergrund.
Spüre bewusst den Kontakt zwischen Füßen und Boden.
Spanne anschließend die Oberschenkel für 5–10 Sekunden leicht an und lasse wieder los.
Wiederhole das einige Male.
Diese Übung hilft besonders bei Schwindel oder dem Gefühl von „Wegdriften“, weil sie den Körper stark in die Gegenwart zurückholt.
4. Gedanken-Entkopplung (kognitive Distanzierung)
Diese Übung hilft, angstverstärkende Gedanken nicht als Realität zu erleben.
So geht es:Wenn ein angstauslösender Gedanke auftaucht (z. B. „Ich kippe gleich um“), formuliere ihn bewusst um:
„Ich habe gerade den Gedanken, dass ich gleich umkippe.“
Oder:
„Mein Kopf produziert gerade einen Angstgedanken.“
Dadurch entsteht Abstand zwischen dir und dem Gedanken. Er wird als mentaler Prozess erkannt, nicht als Tatsache.
5. Akzeptanz- und Beobachtungsübung
Diese Übung ist besonders hilfreich, wenn der Kampf gegen die Angst sie verstärkt.
So geht es:Statt die Symptome zu bekämpfen, beobachte sie bewusst:
Wo im Körper spüre ich die Angst?
Wie fühlt sie sich genau an (Druck, Hitze, Kribbeln)?
Verändert sie sich im Verlauf?
Sage dir innerlich:„Ich lasse die Symptome da sein, ohne dagegen anzukämpfen.“
Das Ziel ist nicht, die Angst sofort zu reduzieren, sondern den inneren Widerstand zu senken. Oft nimmt die Intensität dadurch nach einiger Zeit von selbst ab.
Literaturverzeichnis
American Psychiatric Association (2022). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5-TR).
World Health Organization (2019). ICD-11: International Classification of Diseases.
Barlow, D. H. (2002). Anxiety and Its Disorders: The Nature and Treatment of Anxiety and Panic. Guilford Press.
Clark, D. M. (1986). A cognitive approach to panic. Behaviour Research and Therapy.
Beck, A. T. (2011). Cognitive Therapy of Anxiety Disorders. Guilford Press.
Margraf, J. & Schneider, S. (Hrsg.). Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Springer.
Craske, M. G., & Barlow, D. H. (2014). Panic disorder and agoraphobia.



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